Alice Guy Blache by Emmanuelle Gaume with Alexandra Lamy

Alice Guy Blache by Emmanuelle Gaume with Alexandra Lamy
Why a movie? Guy-Blaché is the definition of an industry pioneer, rising first through Gaumont Studios, then by becoming the founder and head of Solax Studios. By all accounts a cisgender woman, she nonetheless challenged masculine stereotypes, making big meaningful moves like casting women into then-typically male professions, like magicians or dog-trainers, and taking on the masculine roles herself, dressing as a man and stepping in front of the camera. Today, as we continue to mold our perspectives on how we conceptualize gender and sexuality in mainstream artr, Guy-Blaché’s story is both a feminist rendering of an inherently masculine system, and a subversion of how women were expected to perform both on- and off-screen

dimanche 5 octobre 2008

Poeme Cinematographique Alice Guy

Effets de mer 1906
Vidéo envoyée par aliceguyjr


Nur wenige kennen die Filmemacherin Alice Guy, eine der ersten Frauen hinter der Kamera. Dabei hat die Französin mehr als dreihundert Filme inszeniert, ist die erste Frau in der Filmgeschichte, die Filme produziert, Regie geführt und sich zudem ihre eigenen Drehbücher schreibt. Sie gilt als eine der ersten Filmemacher der Welt, die Spielhandlung und Sensationen in ihre Filme einbaute. Heute ist sie - wie viele ihrer Kolleginnen - leider vergessen.
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82. Alice Guy wird am 01. Juli 1873 in Saint-Mandé, bei Paris geboren. Mit ihrer Familie verlebt sie einen Teil ihre Kindheit in Valparaiso (Chile). Ihre Vorfahren flüchten nach Südamerika, weil sie im Zuge der Französische Revolution um ihr Vermögen gebracht werden. Das junge Mädchen wird in Europa im Kloster Sacre Coeur von Viry (an der Grenze Frankreich / Schweiz gelegen) erzogen.
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84. Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, beginnt Alice Guy nach ihrer Ausbildung als Stenographie-Sekretärin in der Firma Gaumont zu arbeiten. Die Firma produziert photographische Apparate und Aufnahmegeräte. Bald steigt die junge Frau die Karriereleiter hinauf. Als nach der ersten Film-Vorführung der Lumiere-Brüder am 18. Dezember 1895 in Paris das Medium Film eine erste Blüte erfährt, nimmt sie ihren ganzen Mut zusammen und schlägt der Produktionsfirma Garamont schüchtern vor, ein oder zwei Lustspiele zu schreiben. Hauptrollen sollen Freunde übernehmen. Wie sie in ihrer Autobiographie berichtet, hätte sie die Erlaubnis dafür nie bekommen, wenn vorhersehbar gewesen wäre, welche rasante Entwicklung der Film nehmen würde. Doch ihr wird grünes Licht gegeben und sie hat Erfolg. Ohne große Vorkenntnisse wird sie 1896 Direktorin der Gaumont Filmproduktion. Nach eigenen Angaben dreht sie den ersten Spielfilm DIE FEE DER KOHLKÖPFE (1897), der 20 m lang ist und zu einem Erfolg wird. Sie baut als eine der ersten Filmemacher eine Spielhandlung in die Bilder ein. Danach folgen mehr als 100 Opern- und Tanzfilme zwischen 1896 und 1907. Unter den vielen Werken stechen besonders der 1905 inszenierte erste Groß-Film DAS LEBEN JESU (1905) sowie die Komödie DIE BESCHWIPSTE MATRATZE (1906) hervor.
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86. 1907 heiratet Alice Guy den Kameramann der Gaumont Filmproduktion Herbert Blachè-Bolton. Nach der Hochzeit gibt sie ihre Arbeit auf. Sie vertraut die Geschäfte ihren Assistenten an und das junge Ehepaar geht nach Amerika. Herbert Blachè-Bolton soll dort die Niederlassung der Gaumont Filmproduktion leiten. Alice Guy kommt als Hausfrau und Mutter mit. Nach drei Jahren will sie aber wieder arbeiten. Gegen den anfänglichen Widerstand ihres Mannes mietet sie ein Studio und gründet die Produktionsfirma Solax. Die Firma produziert ununterbrochen in vier Jahren ca. 300 Filme. Bei ca. 50 davon führt Alice Guy selbst Regie. In fast allen Genre ist sie zuhause: Abenteuerfilme, Melodramen, Western und Cowboyfilme dreht sie in den USA. Ihre Filme werden zu Publikumserfolgen, wie etwa OPFER EINES KINDES (1910). Daneben unterrichtet sie auch an der Columbia Universität.
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88. Als der Vertrag ihres Ehemannes mit der Gaumont Filmproduktion ausläuft, wird ihre Firma Solax umgewandelt in die Blaché Features. Herbert Blachè-Bolton ist nun Präsident und wendet sich der Produktion von Kunstfilmen zu. Alice Guy bleibt bei den publikumsträchtigen Genre und produziert für die Firma Popular Players & Play Abenteuerdramen. Die unter ihrer Leitung so erfolgreiche Solax arbeitet unter der Führung ihres Mannes nicht gewinnbringend und muss Konkurs anmelden.

. Daraufhin geht Herbert Blachè-Bolton in die Filmmetropole Hollywood. Alice Guy folgt ihrem Mann etwas später nach und arbeitet zunächst als Assistentin für ihn. Dann inszeniert sie zwei Misserfolge: DAS GROSSE ABENTEUER (1918) und DER GESCHÄDIGTE RUF (1920). Die langjährigen Schwierigkeiten mit ihrem Mann bewegen sie dazu, die Scheidung einzureichen. Der spürbare Misserfolg in der Filmproduktion führt außerdem dazu, dass sich Alice Guy mit 48 Jahren radikal aus dem Filmgeschäft zurückzieht. Mit ihren zwei Kindern kehrt sie nach Frankreich zurück.
. Erst spät wird die Regisseurin und Produzentin für ihre Vorreiterrolle und ihre Pionierleistungen im Film geehrt. Bis in die 1970er Jahre ist sie vergessen, Filme, die sie gedreht hat, werden männlichen Kollegen zugeschrieben, die Mehrzahl ihrer Werke gilt als verschollen. Im Alter von 83 Jahren erhält sie den Orden der Ehrenlegion. 1964 kehrt sie nach Amerika zurück und lebt dort bis zu ihrem Tod am 24. März 1968 in Mahwah (New Jersey).
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. ALICE GUY - AUTOBIOGRAÜE EINER FILMPIONIERIN
. Die erste Frau hinter der Kamera

© DIE ZEIT, 16.10.1981 Nr. 43

. Bis Anfang der 70er Jahre ist sie vergessen, ihre Filme werden zum Teil anderen zugeschrieben, zum Teil sind sie verschollen. Alice Guy, der zweite Mensch, die erste Frau, die Filme mit Spielhandlung machte — die filmhistorische Variante der Schöpfungsgeschichte. Wäre der Film „La F£e aux choux ou la naissance des enfants", die französische Variante des Märchens vom Klapperstorch — eine Fee zaubert (mit Hilfe des Stopptricks) Babys aus Kohlköpfen hervor — 1896 entstanden, hätte Alice Guy und nicht Melies mit seiner „Reise zum Mond" den fiktionalen Film erfunden. Aber das Geburtsdatum der Kohlkopfbabys ist umstritten.
100. Dieses Buch ist weder geschwätzig eitle Künstlerbiographie noch Arbeitsjournal, vielmehr assoziativ geordnete Erinnerung, bedächtig zu Papier gebracht, mit Kommentaren und Wertungen untermischte Fakten und etwas betulich erzählten Anekdoten. Eine Filmographie und ein ausführlicher Anmerkungsapparat der französischen Herausgeberinnen Nicole-Lise Bernheim und Ciaire Clouzot machen die Einzelinformationen zur frühen Ateliergeschichte, zum Selbstbild der Filmerin und zum Bild des Publikums, zum Kommerzdenken und den rüden Geschäftspraktiken des frühen Films zu einer lesbaren filmgeschichtlichen Quelle.
101. In jener frühesten Zeit werden Filme als Demonstrationsmaterial gebraucht, um Projektionsapparate und Filmkameras zu verkaufen. Nur deshalb gibt die Firma Gaumont der Sekretärin „Mademoiselle Alice" die Chance zu filmen. Die ehemalige Klosterschülerin weiß genau, worüber sich das Publikum der Jahrmarktkinos vor Lachen kugelt, vor Geilheit auf die Schenkel schlägt oder entsetzlich gruselt. Sie mischt sich inkognito unter die Leute uiid trimmt ihre Produktionen auf Massengeschmack; später in Amerika ebenso wie zuvor in Frankreich. Film als Ware, für Alice.Guy ist er nie etwas anderes gewesen. Die Kritik an ihren amerikanischen Melodramen fertigt sie mit dem Merksatz ab: „Die Berater sind nicht die Bezahler."
102. Zwischen 1896 und 1907 inszeniert und arrangiert sie für Gaumont in Paris nicht weniger als 400 Filme! Das Kino dieser Zeit vereinnahmt, was an populären Stoffen und Darstellungsformen auf dem Markt kursiert. Kein Medium, das nicht als Filmvorlage taugte: Grand-Guignol-Theaternummern werden ebenso wie Szenen aus Gesellschaftsromanen, Witzpostkarten oder Zeichnungen aus „dem Leben Jesu" zur Filmattraktion. So führt der Katalog 1906/7 neben „Geschlossene Lippen" die Groteske „Ich habe einen Maikäfer in der Hose", neben dem „Gewissen eines Priesters" die Komödie „Die Wahrheit über den Affenmenschen", neben dem „Heldenmut eines Jungen" die „Beschwipste Matratze".
103. 1907 folgt die erfolgreiche Filmemacherin ihrem Mann Herbert Blach£ nach Amerika, als Gaumont ihm dort die Leitung einer Filiale anbietet. In New York gründet sie dann 1910 ihre eigene Firma, die „Solax". Als ein paar Jahre später der Vertrag ihres Mannes ausläuft, nimmt sie ihn in ihre Firma auf: als Chef. „Mit Freude überließ ich ihm die Zügel. Ich nahm an keiner der Versammlungen des Verwaltungsrates teil, ich würde, wie Herbert sagte, die Männer durch meine Anwesenheit daran hindern, in Ruhe ihre Zigarren zu rauchen und ihr ungezwungenes Gebaren während der Geschäftsbesprechungen unterbinden." Als Vizepräsidentin der Firma beschränkt sie sich aufs Filmen, bedient unermüdlich alle Genres: Westernund Militärfilme, Melodramen, Grotesken, Romanund Drama-Adaptionen. Sie arbeitet mit menschenfressenden Ratten und Tigern, sprengt Schiffe und Autos in die Luft; Filmsensationeri als sensationelle Kassenerfolge. Ihr Regiestil, weibliche Einfühlung statt Feldherrengebrüll, macht sie besonders effektiv und nicht etwa männlichen Regiekpllegen unterlegen.
104. Die Biografie der Alice Guy (1863—1968) endet filmographisch schon 1920, als ihre Firma bankrott und ihre Ehe geschieden ist, sie mit ihren Kindern nach Frankreich zurückkehrt. Um 1950 erst schreibt sie dieses Buch und 1976, fast ein Jahrzehnt nach ihrem Tod, erscheint es in Frankreich und jetzt in deutscher Sprache. Ich habe nur wenige frühe Grotesken von Alice Guy, die im Bunker der Deutschen Kinemathek, Berlin, lagern, sehen können. Herauszufinden wäre, ob sich in ihren Filmen nicht möglicherweise — mitten in der patriarchalen Rollenzuweisung — frauenspezifische Wahrnehmung als Widerspruch abzeichnet. Fürs erste sollten Filmgeschichten und Handbücher Werk und Namen der Alice Guy überhaupt vermerken, die fragwürdige Kanonbildung, positiver Ausdruck von Vergeßlichkeit, überprüfen.



Alice Guy drehte 1920 ihren letzten Film. Titel: „Der geschädigte Ruf". Uta Berg-Ganschow

Alice Guy: „Autobiograf ie einer Filmpionierin", aus dem Französischen von Helma Schleif; tende, Münster, 1980; 219 S., 24,80 DM.

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